Seit 1926

1926 – eine spannende Zeit. Der erste Weltkrieg rückte in Vergessenheit, der Aufbau und die Wirtschaft waren mit großen Schritten Richtung Zukunft unterwegs. Gerade auch in Hamburg konnte man dies in jedem Winkel spüren und sehen. 1924 begann der Bau des Chilehauses, 1925 wurde der Außenhandel wieder möglich und das Übersee-Transportaufkommen entwickelte sich mit rasanter Geschwindigkeit.

SS Padua auf der Elbe, sie ist gleichaltrig mit dem SVA und segelt heute noch als Kruzenstern

SS Padua auf der Elbe, sie ist gleichaltrig mit dem SVA und segelt heute noch als Kruzenstern

 

1926 entstand der große Kühlspeicher in Neumühlen und es wurde mit dem Ausbau des Hamburger Flughafens begonnen. Schon im selben Jahr konnte man mit einem „Ocean-Dreischwimmer-Flugzeug“ in 24 Stunden von Hamburg nach New York fliegen.

Zur gleichen Zeit lief der letzte Fracht-Rahsegler der Weltgeschichte, die SS PADUA (heutige Kruzenstern) für die Hamburger Reederei Laeisz von Stapel, wurde in Hamburg bei Blohm & Voss aufgeriggt und ging noch im selben Jahr auf Salpeterfahrt nach Südamerika. Es waren die letzten Jahre der Frachtensegler.

 

 

 

Luxusliner Cap Arcona in Hamburger Hafen

Luxusliner Cap Arcona in Hamburger Hafen

 

Blohm & Voss baute zu der Zeit gerade an der Cap Arcona – seinerzeit der luxuriöseste Liniendampfer der Welt. 1928 folgten die berühmte „Europa“ sowie die legendäre „Bremen“ bei der AG Bremen für den Norddeutschen Lloyd, die das Blaue Band des Nordatlantiks holte.

 

Diese und frühere Entwicklungen machten den Atlantik zur Drehscheibe der neuen Welt und wurden für Deutschland und insbesondere für Hamburg von existenzieller Bedeutung. Schon immer hatte es geheißen „Hamburg: Deutschlands Tor zur Welt“ und was den Seeverkehr angeht, ist es bis heute so geblieben. Aber auch ohne den Bezug zur Wirtschaft spürt man in Hamburg und auf der Elbe jeden Tag und jede Stunde durch die Gezeitenwellen den langen Atem des Atlantiks.

In dieser spannenden und stark maritim geprägten Zeit schlossen sich die Gründungsmitglieder des SV Atlantic zusammen und legten den Grundstein unseres Vereins. Da diese damals hochaktuellen maritimen Entwicklungen für unsere Gründungsmitglieder sicher sehr interessant waren – schließlich waren sie passionierte Segler – liegt es nahe, dass angesichts der neuen Weltverbundenheit die Namensgebung unseres Vereins bewusst gewählt wurde.

Nach den Recherchen bezüglich unseres „Gründungslokals“, dem weltbekannten Kempinski Hotel „Atlantic“ haben diese zeitgenössischen Sichtweisen einige Jahre zuvor zu der verursachenden Namensgebung geführt.

Bereits am 2. Mai 1909 wurde dieses Hotel mit dem Namen Atlantic eröffnet. Es war für die Reisenden gedacht, die der Reeder Albert Ballin mit seinen Schiffen über den Atlantik beförderte. Der engen Verbundenheit zwischen Wilhelm II. und Ballin soll die Entstehung dieses Hotels zu verdanken sein. So begründete sich, laut der Pressesprecherin des Atlantic-Hotels, dessen Namensgebung.

 

Ausschnitt aus einem Foto mit eingezeichneter SVA-Flagge von 1929: Atlantic Hotel mit dem davor befindlichen Anlegesteg vom SVA

Ausschnitt aus einem Foto mit eingezeichneter SVA-Flagge von 1929: Atlantic Hotel mit dem davor befindlichen Anlegesteg vom SVA

 

Dieses Hotel war also 17 Jahre in Betrieb und hatte damals sicherlich den gleichen sozialen Anspruch wie heute. Unter der Berücksichtigung der damaligen Hierarchie der Gesellschaft war der soziale Abstand zur allgemeinen Bevölkerung wohl höher. Das unsere Gründung in diesem Gebäude stattfand, zeugt von einem hohen sozialen Ansehen unserer ersten Mitglieder und dem hohen Anspruch an sich selbst und an den Verein, den sie mit diesem edlen Namen versahen.